Ideenspaziergang "Grün in der Stadt" mit Dr. Christoph Aly

Veröffentlicht am 11.05.2019 in Ortsverein

Das Grün in einer Stadt ist für die Menschen, die in ihr leben, wichtig: eine gut durchgrünte Stadt ist im Hochsommer weniger heiß, denn Bäume spenden bei Hitze Schatten und sorgen durch Wasserverdunstung für Abkühlung, sie mildern den Stadtlärm und befreien die Luft von Staub. Das Grün in der Stadt ist aber auch für wildlebende Tiere und Pflanzen wichtig: während im Offenland der katastrophale Niedergang der Vögel und Insekten scheinbar kaum aufzuhalten ist, berichten Ökologen von der Zuwanderung von Arten im besiedelten Raum, wenn das Angebot an naturnahen Strukturen stimmt. Ökologisch orientiertes und ausreichend dimensioniertes Stadtgrün leistet daher einen Beitrag zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels und federt den Rückgang wildlebender Tiere ab.

Wie steht es um das Stadtgrün in Wiesloch? Was können Gemeinde und Private beitragen? Das waren die zentralen Themen eines Spaziergangs entlang des Leimbachs zwischen Palatin und dem Naturschutzgebiet "Fuchsloch-Sauerwiesen", zu dem die SPD eingeladen hatte. Dr. Christoph Aly, Naturschutzbiologe, Vorsitzender des NABU Wiesloch und Kandidat in der aktuellen Kommunalwahlwahl, zeigte Schönes sowie Verbesserungswürdiges.

Zunächst wurde anhand von Luftbildern verdeutlicht, dass Leimbach und Waldangelbach die Frischluft- und Grünschneisen der Kernstadt sind. Aus den Naturschutzgebieten "Fuchsloch -Sauerwiesen" bzw. "Landschaft am Waldangelbach" strömt hier im Sommer kühle, befeuchtete und gereinigte Luft in die Stadt. In den letzten Jahrzehnten hat sichdie Anzahl der Hundstage (über 30 Grad Maximaltemperatur) und die Zahl der Tropennächte (nicht unter 20 Grad Nachttemperatur) bei uns verdreifacht. An solchen Tagen und Nächten mildern diese Schneisen das Stadtklima. Sie sollten daher unbedingt von Bebauung und Versiegelung freigehalten werden und einen reichen Baum- und Krautbestand aufweisen. So sind sie gleichzeitig Lebensraum und Wanderkorridor wildlebender Tiere.

Wie das leicht unter einen Hut zu bringen ist zeigte ein Blick über die Mauer des alten Judenfriedhofs: hier kann sich die Natur fast frei entfalten, Frischluft entsteht und kann in die Kernstadt strömen. Das angrenzende Areal ist dagegen für die Stadtgärtnerei und das Straßenbauamt großflächig versiegelt; man fragte sich, ob das in diesem Umfang notwendig ist.

Ein "Highlight" der Exkursion war ein kurzer Abstecher in den Wald in Höhe des Altwieslocher Schlosses: schon nach wenigen Metern fühlte man sich in einer anderen Welt, die Luft wird spürbar frischer, die Vegetation ist vielfältig, der Ausblick auf artenreiche Wiesen und der Anblick mächtiger Bäume überraschte. Obwohl dieser Waldstreifen nicht mehr als 50 m breit ist trägt er ganz enorm zum Wohlbefinden der Menschen bei und ist eine lebendige Aue.

Wenige Meter weiter fand sich ein großer Kirschbaum ohne Kirschen: leider eine sterile Züchtung, bei der die Staubgefäße in zusätzliche Blütenblätter verwandelt wurden. So blüht der Baum zwar überaus prächtig, ist aber für Insekten wertlos. Leider gibt es viele Bäume und Gehölze im Stadtgebiet, die ähnlich steril oder nicht heimisch und damit ökologisch eine verschenkte Chance sind. Baumhaseln, Scheinquitten oder Zierkirschen - für die heimische Tierwelt sind sie nahezu wertlos.

Unter besagtem Kirschbaum parken auf kurzgemähtem Gras private PKW. Da es sich um ein städtisches Flurstück handelt wäre es an der Stadt, es zu öffentlichen Zwecken einzusetzen: hier könnten Wildpflanzen zu Gunsten des Grünzugs, der Insektenwelt und der Naherholung wachsen. Im Zuge der Aufwertung öffentlicher Flächen durch die NABU-Aktion "Natur nah dran" könnte dies ohne finanziellen Aufwand für Stadt verwirklicht werden. Dr. Aly versprach, die Anregung an die Stadtverwaltung weiterzugeben.

Das Bachufer war überwiegend naturnah gestaltet und bewachsen. Nur im Bereich einiger Kleingärten wäre es sehr wünschenswert, wenn Komposthaufen und Baumaterial nicht bachnah abgelegt würden, da so das Wasser mit Nährstoffen überversorgt wird und im Hochwasserfall Abflusshindernisse entstehen können. Hier sollte die Stadt gezielt informieren und die Kleingärtner beraten.

Die Exkursion endete im Naturschutzgebiet "Fuchsloch-Sauerwiesen". Eine angeregte Diskussion widmete sich der hier geplanten Inanspruchnahme von Schutzgebietsfläche zum Bau eines Hochwasserdamms. Einig war man sich darüber, dass dieses Schutzgebiet, wie auch das NSG "Landschaft am Waldangelbach" am Fußweg Richtung Rauenberg, Mensch und Natur gleichermaßen nützt und jede Aufmerksamkeit und Aufwertung verdient hat.

 

 

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