Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr, Memet Kilic, Prof. Gert Weisskirchen, Bakir Alboga Gemeinsam mit dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatte der Willy-Brandt-Freundeskreis zu einer Veranstaltung eingeladen. Ihre Gedanken zum Thema Integration präsentierten
- Prof. Gert Weisskirchen, der frühere Bundestagsabgeordnete der SPD,
- Bekir Alboga (Ditib - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) und
- Memet Kilic (MdB BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN),
anschließend stellten sie sich den Fragen des Publikums. Das war anscheinend das falsche, denn es musste nicht überzeugt werden. Eigentlich hätte man zu den Bürgerinnen und Bürgern sprechen müssen, die sich in den Thesen von Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) glauben wiedergefunden zu haben. Aber die waren leider nicht anwesend.
Sonst hätten sie gelernt, dass die scheinbaren „Fakten“ über die Integrationsunwilligkeit vieler Migranten einer Überprüfung nicht standhalten. So hörte man von den beiden Migranten deren erfolgreiche Integrationsgeschichten, erfuhr von ihnen von Begegnungen mit Vertretern der derzeitigen Bundesregierung und war beeindruckt von dem Optimismus, den sie dennoch ausstrahlten.
Beide, Bekir Alboga und Memet Killic, waren sich in ihren Empfehlungen einig, wie die Integration weiter gefördert werden kann: Durch Begegnungen auf lokaler Ebene können Vorurteile ausgeräumt werden.
Sie riefen in Erinnerung, dass erfolgreiche Integration auch im fundamentalen Interesse Deutschlands liegt: Dem zunehmenden Fachkräftemangel könne nur durch die Einbeziehung von Zuwanderern begegnet werden. Der steigende Bedarf an Pflegepersonal ist ebenfalls
nur auf diesem Wege zu decken. In einer lebhaften Diskussion wurden die Anforderungen an die Politik noch einmal deutlich gemacht. Deutschland ist ein Einwanderungsland und muss es zu seiner Zukunftssicherung auch sein. Eine moderne Regelung der Staatsbürgerschaft ist überfällig, halbherzige Lösungen müssen überwunden werden. Die Bevölkerung scheine hier schon wesentlich weiter zu sein als manche Politiker, die sich von populistischen Überlegungen leiten ließen.
Die Aufforderung, wahrhaftig zu sein und dem Populismus keine Chance zu geben, richtete Gert Weisskirchen an die Politik. Bei den Diskutanten rannte er damit offene Türen ein.
Dieter Lattermann