Fairness auf dem Arbeitsmarkt - vor welchen Herausforderungen stehen wir?

Veröffentlicht am 04.08.2011 in Ortsverein

Josip Juratovic sprach im "Weißen Rössel"

Die SPD-Ortsvereine Dielheim, Rauenberg, Mühlhausen und Malsch hatten gemeinsam zu einer öffentlichen Veranstaltung zu diesem Thema eingeladen. Referent des Abends war Josip Juratovic, der seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages ist und dort im Ausschuss für Arbeit und Soziales arbeitet. Der Dielheimer SPD-Vorsitzende Klaus-Peter Steininger konnte im vollbesetzten Nebenzimmer des Mühlengasthofs „Weißes Rössel“ die zahlreich erschienen Interessierten begrüßen und zeichnete den Lebensweg des Referenten nach, der 1974 aus Kroatien nach Deutschland kam und hier den Beruf des Kfz-Mechanikes erlernte.

Juratovic sieht sich als „Anwalt der kleinen Leute“ und ist stolz darauf, einziger „Fließbandarbeiter des Bundestages“ zu sein. Als früherer Mitarbeiter und Betriebsrat beim Autohersteller Audi kann er aus eigener Erfahrung sprechen und von seiner Arbeit in der Lackiererei erzählen. Das tat er auch auf beeindruckende Weise an diesem Abend.
Die Gesetzgebung, Aufgabe des Bundestages, sei oft geprägt von juristischen Überlegungen. Für Juratovic stünde jedoch die Frage nach Gerechtigkeit im Vordergrund. Dabei sei, so räumte er ein, Gerechtigkeit ein subjektiver Begriff. In vielen Gesprächen habe er seine eigene Definition entwickelt. Betriebsbesuche, Besuche in Schulen und Kindergärten, bei Versicherungsträgern wie der AOK und direkte Kontakte mit der Bevölkerung hätten ihm viele Erkenntnisse gebracht.
Besonders von der Jugend, die er als „Spiegelbild der Gesellschaft“ sieht, bekäme er viele Fragen, z. B. zur Rente ab 67 von einer 15-Jährigen. Seine Antwort darauf: „Wahrscheinlich wirst du bis 70 arbeiten. Aber das ist auch gut so, die Entwicklung der Lebenserwartung spricht dafür.“ Es käme aber darauf an, die Arbeitswelt mit den veränderten Bedingungen in Einklang zu bringen. Gerade für ältere Arbeitnehmer müssten die Arbeitsplätze so angepasst werden, dass die ihre Erfahrungen einbringen können, ohne körperlich überfordert zu sein.
Auch in einer weiteren Frage zum Arbeitsmarkt, nämlich der Wegrationalisierung vieler Arbeitsplätze, sieht er weniger ein Problem und mehr eine Chance: Die Roboter müssten schließlich gebaut und programmiert werden, ein großes Potenzial für neue Arbeitsplätze, die allerdings auch höhere Anforderungen stellten und bestmögliche Qualifizierung erforderten. Das stehe leider noch immer im Gegensatz zu den Fakten – ein Drittel der Hauptschüler schaffen es nicht, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Juratovic wies auch auf ein weiteres Problem in der Arbeitswelt hin: Die steigende Anzahl psychisch Erkrankter werde bedingt durch die Anforderung nach ständiger Erreichbarkeit und Verfügbarkeit jenseits vereinbarter Arbeitszeiten.
Ein paar Zahlen untermauerten Juratovics Aussagen über den Arbeitsmarkt: 40 Mio. Beschäftigte täuschen leicht darüber hinweg, dass sich unter ihnen 13 Mio. in prekären Beschäftigungsverhältnissen befinden, deren Lohn nicht zum Leben reicht und die zum Teil auf Transferleistungen angewiesen sind. Das war einer der Hauptpunkte in der Diskussion. „Warum tut die Politik so wenig gegen prekäre Beschäftigung?“.
Die SPD habe die richtigen Ziele in ihrem Programm, so Juratovic. Die Forderung nach generellen Mindestlöhnen und nach Tariftreue bei öffentlichen Ausschreibungen gehörten dazu.
Noch wichtiger als ein Parteiprogramm sei allerdings die aktive Mitarbeit der Wähler: Nur weniger als 3 % seien Mitglieder politischer Parteien und dort seien weniger als 1 % wirklich aktiv. Hier bliebe viel an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Im Anschluss an Juratovics Referat entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die nicht nur Arbeitsmarktfragen aufwarf, sondern über die Integrationspolitik bis hin zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr viele Themenfehler streifte.
Alexander Lucas bedankte sich am Ende der Veranstaltung bei Josip Juratovic für seinen engagierten Vortrag und wünschte ihm für seine Ziele viel Durchsetzungskraft. Als kleine Erinnerung überreichte er ihm im Namen der veranstaltenden SPD-Ortsvereine ein „Care-Paket“ mit regionalen Produkten als kleine Erinnerung an die Veranstaltung in Dielheim.

Dieter Lattermann, SPD Rhein-Neckar

 

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