Impressionnen aus dem Färbergarten
Die Walldorfer Kinderkunstschule (KIKUSCH), die zur Volkshochschule Südliche Bergstraße gehört, hat einen wunderbaren, schönen Färbergarten, in dem die Mitarbeitenden Pflanzen anbauen, aus denen Farben gewonnen werden können. Diese Farben können Textilien, Lebensmittel oder andere Gegenstände färben, aber auch malen und schreiben kann man natürlich damit. Die KIKUSCH bietet hier spannende Workshops für Kinder an und lädt auch zum offenen Atelier ein, wo man einfach vorbeigucken und experimentieren kann. Hier kann man sich über das Programm informieren: https//www.vhs-sb.de.
Gleich zu Beginn der Ferien haben wir uns früh am Rathaus getroffen und sind voller Vorfreude zum Färbergarten beim Waldkindergarten gelaufen. Gemeinsam mit Ricarda von der KIKUSCH wollten wir den Färbergarten erforschen und dort selbst Saftfarben und Tinten herstellen. Was Ricarda und uns besonders gefreut hat ist, dass auch Kinder angemeldet waren, die schon letztes Jahr mit im Färbergarten gewesen sind und in diesem Jahr auch wieder dabei sein wollten. Ihr kennt den Färbergarten noch nicht? Ein Besuch lohnt sich!
Ricarda hatte sich bereits für das Jubiläum 125 Jahre Stadtrechte für Walldorf etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie hatte Rezepte für dokumentenechte Tinte, also Tinte, die man nicht mit einem Tintenkiller oder Wasser wieder löschen kann, gesucht und die Rezeptur für Eisengallustinte als Experimentiertinte ausgewählt – klar durften wir das auch ausprobieren – und wir durften sogar unsere selbstgemachten Tinten in kleinen Gläschen abgefüllt mit nach Hause nehmen.
Aber der Reihe nach. Als wir ankamen, sahen wir sofort, dass auch der Färbergarten sehr unter der großen Hitze im Juni und im Juli gelitten hatte, vor allem weil es kaum Niederschlag gab in dieser Zeit. Wir haben trotzdem noch etwas Saflor (Färberdistel) und auch Tagetes gefunden, mit denen man wunderbare gelbe und orangene Tinte herstellen kann. Auch Geranien und Hibiskus haben wir als Grundstoffe für Tinten kennengelernt. Ricarda hat uns experimentieren lassen. Man kann sogar mit Geranienblüten direkt malen.
Intensiv rote Tinte haben wir dann aus einem Stoff gemacht, der nicht im Färbergarten wächst: Aus getrockneten weiblichen Cochenille-Schildläusen, die Ricarda mitgebracht hatte.
Tinte herstellen funktioniert für alle Farbstoffe relativ gleich. Erst einmal müssen die Farbpigmente aus den Blüten, aus den Gallen, aus den getrockneten Läusen mit einem Mörser herausgestrichen, herausgepresst oder herausgemahlen werden. Die Eichengallen haben wir in kleine Stücke geklopft. Den Farbstoff haben wir immer mit etwas Wasser aufgenommen. Wir wollten nur den Farbstoff, nicht die Stücke der Blumen und anderen Stoffe, also haben wir das Ganze durch Baumwolle gedrückt und alle Stückchen wurden so abgesiebt und die reine Farbe wurde in Gläsern aufgefangen. Einige Farben haben wir dann erhitzt und etwas eingekocht.
Bei der Eisengallustinte mussten wir noch einen anderen Stoff dazu geben, damit haben wir dann die Tinte erst wirklich schwarz bekommen, denn die Gallen ergeben einen gelblich-bräunlichen Sud. Übrigens, wenn die Tinte feucht ist, malt sie grau. Schwarz wird sie erst durch Trocknen. Wir haben viel gelernt und ausprobiert, Tücher gefärbt und Papier bemalt. Was Gummiarabikum ist und warum das ein wichtiger Stoff bei der Tintenherstellung ist, erfahrt ihr am besten, wenn ihr auch mal an einem Workshop bei Ricarda teilnehmt.
Hans und Dorothea von der SPD hatten Verpflegung und Trinken für uns alle vorbereitet und wir haben die Pause mit Wassermelone, Äpfeln und Brezeln genossen.
Leider hieß es irgendwann Abschied nehmen und Ricarda für die Erlebnisse im Färbergarten zu danken. Wir hatten Tinten in rot, gelb, blau und schwarz im Gepäck und gingen dann erst noch zur Eispalette, wo wir alle Eis essen konnten, soviel wir wollten. Den Erwachsenen hat es ebenso viel Spaß gemacht, wie den Kindern und die SPD Walldorf wünscht weiter gute Ferien und bedankt sich nochmal ausdrücklich bei Ricarda von der KIKUSCH.