Stadtrat Lorenz Kachler
Wenn wir über Hochwasser und Starkregen sprechen, haben wir alle unweigerlich die tiefgreifenden, schockierenden Bilder vor Augen, die uns spätestens seit der Katastrophe im Ahrtal oder den jüngsten Hochwassern in ganz Deutschland immer wieder erreichen. Diese Ereignisse führen uns auf schmerzhafte Weise vor Augen, dass der Klimawandel keine abstrakte Statistik ist, sondern Existenzen bedroht, Heimat zerstört und uns die Grenzen unserer bisherigen Infrastruktur aufzeigt. Wir haben ja selbst gesehen, was dort passiert ist
Auch wenn wir in Walldorf von Katastrophen dieser ganz extremen Größenordnung bislang verschont geblieben sind, so hat uns das Unwetter vom August 2022 mit rund 260 Feuerwehreinsätzen innerhalb weniger Stunden eines unmissverständlich klargemacht: Starkregen ist auch bei uns eine dokumentierte und spürbare Realität geworden. Niemand von uns möchte erleben, dass Menschen aus überfluteten Kellerwohnungen gerettet werden müssen – und doch war genau das 2022 hier in Walldorf der Fall.
Direkt nach der Infoveranstaltung nach dem Starkregenereignis ist die SPD-Fraktion an den Bürgermeister herangetreten und hat ein Förderprogramm Starkregenberatung beantragt, was mit Gemeinderatsbeschluss 2023 umgesetzt wurde. Dass dies bisherige Förderprogramm seither nur fünfmal in Anspruch genommen wurde, zeigt erneuten Handlungsbedarf. Eine reine Beratung greift zu kurz, wenn die Hürde bei den anschließenden Investitionskosten liegt. Es ist die richtige und verantwortungsvolle Konsequenz der Verwaltung, hier nachzujustieren und den Bürgern unter die Arme zu greifen.
Die SPD-Fraktion begrüßt die vorliegende Neuausrichtung des Förderprogramms daher ausdrücklich und wird dem Beschlussvorschlag vollumfänglich zustimmen.
Unsere Zustimmung stützt sich auf drei Kernpunkte:
1. Ein ganzheitlicher Ansatz mit echten Anreizen
Das neue Programm schließt eine Lücke in unserem städtischen Fördersystem. Indem wir nun nicht mehr nur die Beratung zu 100 % fördern, sondern auch konkrete Kleinmaßnahmen zum baulichen Objektschutz bezuschussen und Vereine sowie Unternehmen bei der Notfallplanung unterstützen, schaffen wir echte finanzielle Anreize für die private Eigenvorsorge. Jeder investierte Euro in den baulichen Schutz senkt im Ernstfall das Risiko für erhebliche private und gesellschaftliche Schäden im Stadtgebiet.
2. Spürbare Entlastung für unser Ehrenamt
Hinter den hunderten Einsätzen im Jahr 2022 standen über 50 ehrenamtliche Kräfte unserer Freiwilligen Feuerwehr, die fast 24 Stunden im Dauereinsatz waren – oft unter Aufopferung ihrer eigenen Gesundheit, um volllaufende Keller auszupumpen. Jedes Gebäude, das durch dieses Förderprogramm künftig besser geschützt ist, bedeutet im nächsten Krisenfall einen Einsatz weniger. Das ist gelebter Katastrophenschutz und eine direkte Entlastung für unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte, denen wir gar nicht genug danken können.
3. Solide und verantwortungsvolle Haushaltsplanung
Die vorgeschlagenen Maximalsätze und Förderquoten sind marktverträglich und setzen die richtigen Prioritäten. Auch der Kompromiss aus dem Finanzausschuss spiegelt ein ausgewogenes Verhältnis von Kosten und Nutzen wider. Die veranschlagten Mittel für das laufende Jahr sowie die geplanten 15.000 Euro für das Jahr 2027 sind ein absolut vertretbarer und hochgradig sinnvoller Einsatz von Haushaltsmittel.
Es ist richtig und notwendig, dass die Verwaltung dieses Programm nun über Infotage, Medien und die aktive Ansprache von Vereinen und Betrieben offensiv bewerben möchte. Ein Förderprogramm rettet schließlich nur dann Keller und Existenzen, wenn es am Ende auch genutzt wird.
Fazit: Nicht nur die Bilder aus dem Ahrtal und anderen Regionen müssen uns eine Mahnung sein: Wer bei der Prävention zögert, zahlt im Ernstfall einen unbezahlbaren Preis. Mit diesem Beschluss machen wir Walldorf Schritt für Schritt sicherer und klimaresilienter. Wir folgen der einstimmigen Empfehlung des Finanzausschusses und danken dem Fachbereich Feuerwehr und Katastrophenschutz für diese Vorlage.
Wir schauen mal, wie das Förderprogramm angenommen wird und entwickeln es dann vielleicht weiter.
Lässt uns das Land bei der privaten Eigenvorsorge der Bürger oft allein - Eher, oder? Mit diesem Schritt heute beweist Walldorf echten Pioniergeist. Wir orientieren uns nicht nur an guten Beispielen wie Heidelberg, sondern wir übertreffen sie in der Fördersumme und nehmen – was mir besonders am Herzen liegt – auch unsere Vereine und Betriebe über die Notfallplanungen direkt mit in den Schutzschirm auf!
Lorenz Kachler