SPD-Fraktion, v.l.n.r.: Dr. Andrea Schröder-Ritzrau, Petra Wahl, Christian Schick, Lorenz Kachler, Manfred Zuber
In Walldorf gibt es noch bis Silvester 2024 mit dem „Busfahren fa umme“ ein Angebot, das es erlaubt einfach einzusteigen, das Auto in der Garage zu lassen, nicht Mama oder Papa als Schultaxi zu nutzen, sondern die großen Busse einfach zu nutzen, um kostenlos zum Sportplatz, ins Hallenbad, ins Kino oder aus dem Walldorfer Norden drei Stationen bis in den Ortskern zum Einkaufen zu fahren. Ein Angebot für Jung und Alt – niederschwelliger geht klimaschonende Mobilität, die die SPD-Fraktion mit ihrem Antrag bezweckt hatte, nicht.
Autos, die zuhause bleiben können, weil das „Hopp on und off“ mit dem Bus so attraktiv und bequem ist, das wurde im Sommer durch einen Gemeinderatsbeschluss ohne die Zustimmung der SPD-Fraktion zum 1.1.2025 abgeschafft.
Nun legt uns der VRN den „Ortstarif“ als Alternative vor, der ausdrücklich nur Einzelfahrscheine beinhaltet, die beim Fahrer/der Fahrerin zu erwerben sind. Das bietet auf den ersten Blick günstigeres Fahren bei der Einzelfahrt und ist somit erstmal zu begrüßen. Für einen Euro sollen Erwachsene und für 70 ct Kinder eine einfache Fahrt im Stadtgebiet machen können.
Um die Kosten zu ermitteln, die auf die Stadt dafür zukommen, legte der VRN erstmal die Fahrten vom „Fahren fa umme“ zugrunde. Tatsächlich wird allerdings mit deutlicher geringerer Nutzung gerechnet, nämlich nur mit der Hälfte. So werden von der Stadt 86.000 € pro Jahr statt der 300.000 zu zahlen sein. Natürlich wird spitz abgerechnet, wieviel Fahrscheine verkauft werden. Zusätzlich erhält der VRN ja noch den Eigenanteil der Fahrgäste.
Die SPD-Fraktion kann dieser Variante natürlich nicht zustimmen. Wir werden uns enthalten und das möchte ich auch gerne begründen:
1. Wir wollen niederschwellige Mobilität, die mit dem Ortstarif nicht gegeben ist. So wollen wir die Elterntaxis zum Schulzentrum vermeiden – es sind ja ca. 800 bis 900 Walldorfer Kinder und Jugendliche, die jeden Morgen zum Schulzentrum laufen, radeln, Bus fahren oder mit Auto gebracht werden. Wenn es nun an kaltnassen Wintermorgen zu Stoßzeiten nicht mehr heißt „einfach einsteigen“ und der Fahrer/die Fahrerin im Kautzel und an weiteren Stationen sehr viele Einzelfahrscheine und Wechselgeld rausgeben muss, sind deutliche Verspätung nicht zu umgehen. Mit zeitgemäßer Mobilität hat das für uns nichts zu tun.
2. Wer es sich leisten kann, wird eh das Jugend B-W-Ticket nehmen für 365 € im Jahr. Wenn man jeden Tag fährt, ist dieses Angebot preiswerter als die Einzelfahrscheine, und man fährt durch die ganze Republik damit. Die Rückkehr zum alten System, Mehrfahrtkarten zum halben Preis im Rathaus zu erhalten, wäre dann für die Schlechtwetter-Busnutzer deutlich besser und günstiger – insbesondere für die Einhaltung des Fahrplans. Aber auch das fand keine Zustimmung im Ausschuss.
3. In der Vorlage heißt es, es sei „in Walldorf noch offen, ob das kostenlose Busfahren nach der Einführung des Automatischen Fahrgastzählsystem (AFZS) wieder eingeführt werden soll. Der Gemeinderat werde sich daher im Lauf des Jahres 2025 mit dem Thema der möglichen Wiedereinführung des „Busfahren fa umme“ ab 2026 befassen und darüber befinden.
Es gäbe noch viel zu sagen. Die SPD-Fraktion wird sich enthalten und dann auf die Vorlage warten, die in der heutigen Vorlage für Mitte 2025 angekündigt ist.
Andrea Schröder-Ritzrau