Der Entwicklungsprozess zum Fußverkehrskonzept begann 2023. Im Weiteren mit der Fußverkehrsstrategie, dem 10-plus-10-Punkte-Programm, das 2024 im Ausschuss beraten und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung empfohlen wurde. Diese Strategie bildete die Grundlage für das Gesamtkonzept, das im Verlauf sinnvoll angepasst und weiterentwickelt wurde.
Nach dem Zwischenbericht im Dezember 2024, der bereits erste Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung und Schlüsselmaßnahmen enthielt, folgten 2025 die Offenlage sowie ergänzende Formate wie öffentliche Bürger-Workshops, Online-Dialoge und die Beratung im Arbeitskreis Nahmobilität. Ein sichtbares Ergebnis dieser Phase war der recht erfolgreich umgesetzte Verkehrsversuch „Sommerstraße“ in der östlichen Hauptstraße, der auf große positive Resonanz stieß.
Für die SPD-Fraktion bleibt jedoch wichtig, dass künftig alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – gleichermaßen berücksichtigt werden. Positiv hervorzuheben ist, dass aufgrund von Rückmeldungen aus Bürgerschaft und Fachbehörden die Rennbahnstraße und Bleichstraße nachträglich als Nebenrouten in die Konzeption mit aufgenommen wurden. Dies findet unsere Zustimmung.
Ebenso begrüßen wir die Verbesserung der Durchwegung im Industriegebiet durch die neue Verbindung zwischen Altrott- und Industriestraße. Das sind gute, praxistaugliche Schritte.
Das Kapitel 6 „Ziele und Grundsätze der Fußverkehrsförderung“ ist für uns von besonderer Bedeutung. Für uns ist vorrangig, sichere Querungen für Fußgängerinnen und Fußgänger zu schaffen, insbesondere auch an Bushaltestellen und auf Schulwegen. Ebenso sollen zusätzliche Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum die Aufenthaltsqualität verbessern. Das ist insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen unabdingbar. Wichtig ist zudem, dass Schulwegkarten regelmäßig aktualisiert werden. Wir sagen ausdrücklich danke, dass der unbeleuchtete Vogelkäfigweg entlang des Feldes nun nicht mehr als sicherer Schulweg ausgewiesen ist. Wir haben oft genug darum gebeten.
Das Herzstück des Fußverkehrskonzepts ist die Maßnahmenkonzeption. Sie wurde zu einem praxisnahen Mustermaßnahmen-Konzept weiterentwickelt, das zahlreiche Beispiele enthält, etwa optimierte Kreisverkehre, Querungen mit vorgezogenen Seitenräumen, Bordsteinabsenkungen oder Multifunktionstreifen in schmalen Straßen. Diese Ansätze können künftig helfen, die Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität für zu Fuß Gehende konkret zu verbessern.
Wie aus der Vorlage zu entnehmen ist, stellt der Maßnahmenkatalog im Sinne der konzeptionellen Betrachtung noch keine konkrete Maßnahmenplanung dar. Es sind lediglich Empfehlungen. Daher möchten wir betonen: Diese Mustermaßnahmen sind Vorschläge, die im Einzelfall kritisch geprüft werden müssen. Der Gemeinderat sollte bei grundlegenden Änderungen eng eingebunden werden, ebenso die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner. Nicht jede dargestellte Lösung wird automatisch unsere Zustimmung finden – insbesondere, wenn sie in den Bestand eingreift oder Verkehrsregelungen grundlegend verändert.
Wesentlich ist zudem das Evaluationskonzept. Es stellt sicher, dass Umsetzung und Wirkung der Maßnahmen regelmäßig überprüft und transparent bewertet werden. Fortschritte werden systematisch erfasst, sodass das Konzept bei Bedarf gezielt angepasst werden kann. Bis 2030 entsteht so ein dynamischer und lernender Prozess, begleitet durch den Arbeitskreis Nahmobilität. Wir wünschen uns hier ebenso, dass die Bürgerschaft in Workshops oder Begehungen weiterhin miteingebunden wird.
Für uns gilt allerdings: Behutsamkeit vor Geschwindigkeit. Veränderungen im Straßenraum müssen durchdacht, alltagstauglich und in der Bevölkerung gut vermittelt sein.
Das Fußverkehrskonzept sehen wir als wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung einer sicheren, attraktiven und nachhaltigen Mobilität in Walldorf. Es zeigt auf, wo Potenziale liegen und welche Schritte zu einer fußgängerfreundlichen Stadt beitragen können. Es ist ein Kompass, der Richtung gibt – jedoch ohne dass uns das Steuerrad aus der Hand genommen wird.
Wir danken allen Beteiligten für ihr Engagement, die sorgfältigen Begehungen und die breite Beteiligung im Prozess. Das Konzept bildet eine gute Basis, doch die Umsetzung braucht Augenmaß, Dialog und verantwortungsvolles Handeln.
Wir stimmen dem Fußverkehrskonzept zu.
Stadträtin Petra Wahl