Der Willy-Brandt-Freundeskreis hatte zu einer Vorführung des Films „Das Massaker von Katyn“ des polnischen Regisseurs Andrej Wajda in den Luxor-Filmpalast Wiesloch-Walldorf eingeladen. Der Film stellt die historischen Ereignisse aus den Jahren 1939-194O dar, die durch den Flugzeugabsturz der polnischen Regierung beklemmende Aktualität erfahren haben.
22.000 polnische Intellektuelle und Offiziere, die als gefährlich eingeschätzte Elite des zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilten Polens, waren auf Befehl Stalins ermordet worden. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion versuchte die sowjetische Propaganda, das Massaker den Deutschen in die Schuhe zu schieben. Diese historische Lüge wurde lange aufrecht erhalten. Auch in Polen, wo man die Wahrheit kannte oder zumindest ahnte, war die offizielle Lesart bis zum Ende der kommunistischen Herrschaft die eines deutschen Massakers. Erst 1990 stellte Michail Gorbatschow klar, dass die Sowjetunion für den Massenmord in Katyn verantwortlich war.
In eindrucksvollen Bildern schildert der Regisseur Wajda die Geschehnisse. Die Besucher des Luxor-Kinos und der Moderator des Abends, Peter Wirkner vom Willy-Brandt-Freundeskreis brauchten einige Zeit nach der Vorführung, um sich von den Bildern lösen zu können. Dann kam aber eine lebendige Diskussion in Gang zwischen dem Podium – hochkarätig besetzt mit dem bekannten Osteuropaexperten Prof. Dr. Klaus Ziemer (Universität Trier), Dr. Christoph Garstka (Osteuropa-Institut und Institut für Slawistik der Universität Heidelberg) und Prof. Gert Weisskirchen (ehemaliger außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion) – und dem Publikum. Man erfuhr viel über das Verhältnis der Nachbarstaaten Polen und Russland, das auf dem Wege zu einer Versöhnung zu sein scheint und nicht zuletzt auch über unsere Nachbarschaft zu Polen.
Den Betreibern des Luxor-Filmpalasts, Christa und Jochen Englert, wurde herzlich für die Unterstützung der Veranstaltung gedankt, sie hatten sofort ihr Kino zur Verfügung gestellt, obwohl keine Zuschauerrekorde zu erwarten gewesen waren.