Stadträtin Petra Wahl
Zunächst gilt Herrn Schirmacher und seinem Team für den Sozialbericht 2025 unser herzlicher Dank. Geben Sie unseren Dank bitte weiter. Der sehr übersichtliche und umfängliche Bericht zeigt deutlich die gute verzahnte Arbeit aller Unterstützungsangebote auf. Danke an die Mitarbeitenden!
Wir gehen davon aus, dass die interessierte Bevölkerung den Sozialbericht wie gewohnt auf der Homepage der Stadt nachlesen kann und gehen aus Zeitgründen nicht auf alle Punkte ein. Aber alle aufgeführten Angebote wären es wert genannt zu werden.
Folgendes ist uns wichtig näher zu beleuchten:
Wie ersichtlich ist, liegt in diesem Jahr ein spezieller Fokus auf der mit 4686 Personen größten Bevölkerungsgruppe, die über 60-jährigen, 29% Prozent unserer Einwohnerinnen und Einwohner. Der demographische Wandel betrifft auch Walldorf.
Vereinsamung, besonders im Alter nimmt zu und führt häufig zu schweren psychischen und körperlichen Erkrankungen. Betroffene lehnen Unterstützung oft ab und sind schwer erreichbar. Dies stellt ein wachsendes gesellschaftliches Problem dar. Gleichzeitig werden die Fälle komplexer, wie es hier im Bericht ausdrücklich beschrieben wird, sodass Beratungsstellen einen steigenden Bedarf an intensiver, individueller Hilfe bei Pflege, Versorgung und Finanzierung bewältigen müssen. Die Angebote für Senioren beschreibt die IAV-Stelle ausführlich. Häufige Beratungsthemen sind die Suche nach Pflegeplätzen, und Unterstützung bei behördlichen Vorgängen. Vereinsamung unterschiedlichster Ursachen und fehlende niederschwellige Treffpunkte für Senioren werden als Problem benannt. Hier sollten gezielt niedrigschwellige Treffpunkte geschaffen und ausgebaut werden, um Einsamkeit entgegenzuwirken und soziale Kontakte zu fördern.
Wir richten den Blick auf die Kinder und Jugendlichen:
Kapitel 8 zur Kinderbetreuung und Schulsozialarbeit macht deutlich, dass die psychischen Probleme unserer Kinder und Jugendlichen stark zunehmen und die Fälle komplexer werden. Die Begleitung der Schülerinnen und Schüler dauert deutlich länger und die Beratungszeit steigt, was den personellen Aufwand enorm belastet.
Individuelle Arbeit „gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ wie mit dem Orange Day oder den Frauenbänken finden wir gut. Wir sehen aber auch, dass wegen steigender Bedarfe in der Kernarbeit solche Projekte sich momentan kaum stemmen lassen, obwohl sie extrem wichtig sind. Weitere Bedarfe und Aufstockung des Personals um Engpässe (insbesondere am Schulzentrum) zu vermeiden unterstützt die SPD vollumfänglich. Dies sagen wir heute schon zu und warten auf den Vorschlag der Verwaltung.
Das Programm Walldorfer Übergangsmodule (WÜM) überzeugt, weil es Jugendliche frühzeitig individuell bei der Berufsorientierung unterstützt und ihre Stärken gezielt fördert.
Die erfreulich guten Zahlen zeigen, dass das Programm wirksam ist und vielen Jugendlichen erfolgreich den Übergang in eine Ausbildung ermöglicht. Das ist ein klar positives Zeichen für die Qualität und den Nutzen der Maßnahme.
Zum Sozialticket:
Die Stadt Walldorf unterstützt das Sozialticket, das Deutschlandticket, mit 50 Prozent für Menschen, die im Leistungsbezug z.B. von Bürgergeld- oder Wohngeld sind. Wir sind verwundert, dass wie im Bericht erwähnt, überwiegend Geflüchtete diese Unterstützung nutzen. Vielleicht sollte es insgesamt noch bekannter gemacht werden. Viele wissen wahrscheinlich nicht um diese großzügige Unterstützung.
Zum Thema Integrationsmanagement:
Es ist absolut unbegreiflich, dass die Politik hier einen massiven Rückschritt in der Integration begeht, indem sie Asylbewerber:innen, Geduldete und Ukrainer:innen den Zugang zu Deutschkursen einschränkt. Ohne Sprachförderung werden gesellschaftliche Teilhabe und beruflicher Erfolg behindert. Das ist nicht nur kurzsichtig, sondern ein Schritt rückwärts mit Folgekosten für alle. Das können auch die vielen Ehrenamtlichen, die im Begegnungshaus aktiv sind, denen unser ausdrücklicher Dank für Ihre Arbeit gilt, nicht auffangen. Eine weitere Frage ist auch offen: Wie erklärt man sich, dass die Arbeitstätigkeit von Menschen aus der Ukraine nur bei 39% liegt - die aus der anderen Herkunftsgruppe aber bei gut 60%? Wie ist die Einschätzung seitens der Verwaltung?
Zur Fachberatung:
Die Fachberatung in der Plattform bemerkt den Anstieg der Bedarfe bei jüngeren Menschen. Dies lässt vermuten, dass die Kombination aus schwierigem Wohnungsmarkt, unsicheren Lebensphasen und Hürden beim Zugang zu Hilfen maßgeblich zu dieser Entwicklung beiträgt. Daher hätten wir gerne genauere Informationen darüber, was der überwiegende Beratungsgrund ist und ob hier systemisch etwas verrutscht. Da müssen wir genauer hinschauen und junge Menschen gerade auch auf dem Wohnungsmarkt maßgeblich unterstützen. Darum bitten wir die Verwaltung mit Blick auf unsere Wohnungswirtschaft.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Schuldnerberatung.
Ich zitiere aus dem Bericht Die Überschrift „Krankheit und Überschuldung“
Im ersten Halbjahr 2025 stieg die Zahl der Ratsuchenden deutlich, verbunden mit mehr und zunehmend komplexeren Beratungen, die nur durch Mehrarbeit bewältigt werden konnten. Seit dem zweiten Halbjahr führen die anhaltend hohe Nachfrage und der gestiegene Aufwand zu Wartezeiten von 8 bis 12 Wochen. Eine Entlastung ist derzeit nicht absehbar. Das dürfen wir so nicht hinnehmen. Das ist für Menschen in absoluter Notsituation eindeutig zu lang.
Die SPD bittet deshalb die Verwaltung, den Gemeinderat über einen möglichen zusätzlichen Bedarf zu informieren. Wir sagen schon heute unsere volle Unterstützung zu, wenn es darum geht, die Kapazitäten zu erweitern damit Menschen in finanziellen Schwierigkeiten schneller Hilfe bekommen.
Auch bei den Frauenhäusern, denen wir ja einen pauschalen Zuschuss geben, zeigen leider die Zahlen, dass wir deutlich mehr Bedarf haben als Angebote. Und es macht mich wütend aber gleichzeitig auch traurig zu lesen, dass die Betroffenen aufgrund von Engpässen bzw. mangelnden Plätzen lediglich auf Wartelisten gesetzt werden oder sogar abgewiesen werden müssen. Das darf einfach nicht sein!
Kurz noch zu BIWU, Beschäftigungsinitiative Wiesloch und Umgebung,
Deren Ziel die Beschäftigung und Wiedereingliederung Arbeitsloser Menschen ist.
Diese Initiative ist der SPD sehr wichtig. Darum bitten wir Sie, Herr Bürgermeister, mit den Sprengelgemeinden Wege zu finden, die BIWU nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen.
Es gäbe noch viel zum Sozialbericht zu sagen. Vielleicht lesen Sie selber mal rein?
Für die SPD-Fraktion steht fest, dass alle unsere sozialen Angebote vielen Menschen Halt, Perspektive und Zuversicht geben. Jeder Euro, der hier verausgabt wird, ist gut angelegtes Geld. Der Sozialbericht zeigt, dass Solidarität in unserer Stadt gelebt wird und das ist uns wichtig. Auch hier gilt unser ausdrücklicher Dank allen, die helfen und sich einbringen. Solidarität gelingt insbesondere durch die vielen Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die an den unterschiedlichsten Stellen, in den unterschiedlichsten Vereinen, tatkräftig unterstützen. Hierfür gilt unser herzlicher Dank!
Wir nehmen den Sozialbericht zur Kenntnis.
Petra Wahl