Das Kinderland braucht jeden Lehrer

Veröffentlicht am 17.09.2006 in Landespolitik

Der Ortsvereinsvorstand und die Fraktion der SPD Walldorf haben sich in einem Brief an die SPD-Landtagsfraktion gewandt. Auch sie hatten mit großem Unmut die Nachricht über die Nichtbesetzung von 500 Lehrerstellen zur Kenntnis genommen (RNZ am 12.09.2006 und 14.09.2006). Sie sind der Meinung, dass diese Entscheidung zurück genommen werden muss und unterstützen die Kritik der SPD Landtagsfraktion.

Den offene Brief finden Sie im Folgenden

Offener Brief des Vorstands und der Fraktion der SPD Walldorf an die SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg

Genossinnen und Genossen,

wir haben mit Unverständnis und großem Unmut die Nachricht über die Nichtbesetzung von mittlerweile 500 Lehrerstellen, wie in der Presse (RNZ 14.09.2006) zu lesen war, zur Kenntnis genommen. Herr Minister Rau rechnet hin und her – mit dem Ergebnis, dass es unter dem Strich keine Stellenkürzungen gäbe, sondern nur vorübergehende Nichtbesetzungen. Wir sind aber der Meinung, Ihr habt Recht, die CDU begeht Wahlbetrug! Wir möchten Euch unterstützen und bestärken in Eurer Kritik. Wir möchten Euch auch eindringlich bitten, Eure Kritik weiter deutlich zu äußern und sind bereit, an Aktionen zu dem Thema aktiv teilzunehmen. Wir fordern eine sofortige Rücknahme dieser Entscheidung. Auch die GEW, der Philologenverband und der Landeselternbeirat protestieren.

Die amtierende Landesregierung und deren Vorgänger haben verschiedene bildungspolitische Baustellen geschaffen, für deren Fortschritt jede einzelne diese 500 Pädagogenstellen und noch mehr gebraucht werden. Wir nennen im folgenden einige dieser Baustellen, auf denen auch die Schulen unserer Kommune kämpfen.

  • Einführung der Bildungsstandards, die Methodentraining in kleineren Einheiten erfordert;
  • Umsetzung von G8;
  • jahrgangsübergreifender Unterricht in der Grundschule.
Die SPD hat sich im Land gegen den langjährigen Widerstand der Union für die Ganztagsschule eingesetzt. Die Union ist im Wahlkampf mit auf den Zug aufgesprungen und will nun Lehrer einsparen. Das passt nicht zusammen. Wir brauchen flächendeckend Ganztagsschulen. Für die pädagogisch richtige Umsetzung brauchen wir aber Lehrer und Schulsozialarbeiter und nicht nur fachfremde halb "ehrenamtliche" Schulbegleiter. Dies ist preiswertes Personal für die CDU – für uns sind es nicht für die Anforderungen ausgebildete Lückenbüßer. Das können wir uns im Interesse unserer Kinder nicht gefallen lassen.

Die Argumentation, diese Nicht-Wiederbesetzungen mit allgemein rückläufigen Schülerzahlen zu begründen, zeigt, dass hier pauschal gespart werden soll, ohne zu differenzieren. Schaut man sich die Statistiken an, haben wir weder zu kleine Klassen noch zu viele Lehrer an den Schulen, geschweige denn weniger als 3% Stundenausfall.

Nehmen wir den Rhein-Neckar-Kreis. Schülerzahlen an Realschulen und Gymnasien im Rhein-Neckar-Kreis werden bis 2013 nur marginal sinken. Hauptschulen, deren Schülerzahlen sinken werden, brauchen dagegen endlich die personelle Ausstattung, um den Teufelskreis zwischen sozialer Herkunft, Migrationshintergrund und dem zu erreichenden Schulabschluss, der besonders im Kinderland Oettingers eine der großen sozialen Ungerechtigkeiten gegen unsere Jugend ist, zu durchbrechen. Und auch diese Tatsache steht seit PISA- und OECD-Studien zweifelsfrei fest.

Und, Genossinnen und Genossen, auch die neuste OECD-Studie zeigt, dass wir auf der Stelle treten.

Wir haben die Köpfe im Land – wir fordern die Ressourcen, um diese Köpfe entsprechend ihren Fähigkeiten auszubilden!

Bleibt dran!

Wir bitten Euch, uns über Aktionen zu diesem Thema zu informieren.

Roland Portner
Vorsitzender
Manfred Zuber
Fraktionsvorsitzender