Längeres gemeinsames Lernen als Einstieg in größere Schulreform
„Schluss mit der frühen Separierung der Kinder" war die Devise der von der SPD organisierten Podiumsdiskussion im DAI mit Vertretern aus Politik, Schule und Elternseite. Der neue SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende, Claus Schmiedel, forderte einen Bildungsaufbruch in drei Punkten:
- gezielte Förderung ab dem dritten Lebensjahr,
- gebundene Ganztagsschulangebote für alle Altersklassen und
- längeres gemeinsames Lernen.
Der ehemalige Lehrer verwies auf die Nachteile der frühen Aufteilung im Anschluss an das vierte Schuljahr: „Viele begabte Kinder werden von einer Gymnasiallaufbahn abgekoppelt, insbesondere Kinder von Migranten und die von der Landesregierung verkündete Durchlässigkeit nach oben ist unrealistisch." Als Folge dieser verfehlten Politik würden Potenziale nicht genutzt und 20 Prozent eines Jahrgangs verließen die Schule ohne berufliche Anschlussfähigkeit.
Wolfgang Stetzler, der Leiter der Orientierungsstufe der IGH, wies darauf hin, dass an seiner Schule im letzten Jahr 5 Kinder mit Hauptschul- und 18 mit Realschulempfehlung Abitur gemacht hätten. Dies war möglich, da die IGH als Gemeinschaftsschule eine Mobilität nach oben anbieten könne, die für normale Schulen schwer möglich sei. Stetzler verwies auf die bildungspolitischen Vorbilder in Skandinavien, bei denen acht oder zehn Jahre gemeinsames Lernen große Erfolge vorweisen können. Harald Preusler, der als Gesamtelternbeirat die Seite der Eltern auf dem Podium vertrat, kritisierte die „jahrelange Konzeptionslosigkeit der Bildungspolitik" in Baden-Württemberg und bezeichnete das Bildungskonzept der IGH als „beispielhaft für das ganze Land".
Der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding verwies darauf, dass die Zuständigkeit für Bildung seit der letzten Föderalismusreform bei den Ländern liege und dem Bund nicht einmal Initiativzündungen durch finanzielle Zuweisungen möglich seien, wie es bei dem bahnbrechenden IZBB-Programm für den Ausbau von Ganztagsschulen noch der Fall war. „Eine solche Möglichkeit des Bundes ist wünschenswert", so Binding. Weiter sprach sich der Heidelberger Abgeordnete dafür aus, die Gemeinschaftsschule zu entwickeln und die sechsjährige Grundschule als Einstieg in ein neues System zu begreifen. Ähnlich beschrieb Schmiedel das Konzept der SPD-Opposition im Landtag: „Ein großer Umbruch ist nötig. Da aber derzeit keine Mehrheit besteht und die CDU das dreigliedrige Schulsystem wie eine Monstranz vor sich herschiebt, konzentrieren wir uns auf eine Vielzahl kleiner Änderungen vor Ort." Dazu seien Anträge von Schulen und Kommunalpolitikern vor Ort nötig, denen die SPD im Landtag zur Zustimmung verhelfe. Dieses Konzept der „konkreten Hilfe anstatt einer rein akademischen Debatte" scheint zu fruchten, laut Schmiedel gibt es viele Verbündete vor Ort und beim Städtetag.
Zahlreiche Gäste aus dem Publikum, dabei auch Lehrer und Schulleiter, sprachen sich für die SPD-Forderungen aus, verwiesen aber auch auf den dringenden Sanierungsbedarf der Heidelberger Schulen. Die Moderatorin und Stadträtin Dr. Anke Schuster versprachen, sich für die Schulsanierung und den Ausbau zu Ganztagsschulen in Heidelberg einzusetzen und forderten eine stärkere Handlungsfreiheit für die Kommunen. Quintessenz der Veranstaltung war, „dass eine überfällige Bildungsreform von der CDU-FDP-Landesregierung blockiert wird und mit Hinblick auf fehlende Lehrerstellen sowie baulichen Sanierungsbedarf stärkere Investitionen in die Bildung fließen müssen", so die Veranstalter der Heidelberger SPD.