Dr. Andrea Schröder-Ritzrau, Fraktionsvorsitzende Die SPD-Fraktion hat den Antrag der FDP-Fraktion („Die Verwaltung wird beauftragt, eine Grundsatzdebatte zum Einbau von Klimaanlagen in städtischen Einrichtungen durchzuführen.“) so verstanden, dass es um die Bereitstellung von erträglichen Temperaturen im Bereich unserer Schulen und Kitas geht.
Wie die Verwaltung ausführt, kann damit natürlich nicht die generelle Klimatisierung der Räumlichkeiten gemeint sein. Klimatisierung bedeutet eine komplexe, technische, kostenintensive Planung von Räumlichkeiten, um außer Temperaturen auch weitere Luftparameter kontrolliert zu halten, nach nutzerspezifischen Anforderungen und damit natürlich auch klaren Auflagen für die Nutzung.
Ich weiß, wovon ich rede, da ich in entsprechenden Laboren arbeite. Unsere Büroräume sind allerdings natürlich nicht klimatisiert!
Man muss in Anbetracht des Klimawandels vereinzelt über technische Kühlung von Räumen in unseren Kitas nachdenken. Eine flächendeckende Versorgung aller städtischen Gebäude und Räume halten wir nicht für notwendig, nach derzeitigem Wissen auch nicht für die nächsten Jahrzehnte. Daher gehen wir gerne mit den Ausführungen der Verwaltung mit, sowie dem Vorschlag, das Thema im Fachausschuss (TUPV) zu beraten.
Ich möchte für meine Fraktion allerdings schon jetzt darauf hinweisen, dass wir sehr genau hinsehen werden, was notwendig ist – im Sinne von ‚eine wirkliche Not zu wenden‘. Für uns ist ein zielgerichtetes, differenziertes und situationsorientiertes Vorgehen in der jeweiligen Kita notwendig. Was ist Not bei Hitze? Dafür bedarf es zunächst einer Darstellung des Ist- Zustands – also eine klare Dokumentation der Temperaturen – und wir müssen Grenzwerte beachten. Die Deutsche Unfallversicherung nennt Richtwerte für den Hitzeschutz. Bei Temperaturen über +30°C müssen Maßnahmen ergriffen werden, und ab +35°C sind Räume ohne entsprechende Maßnahmen für Kinder und Personal nicht mehr geeignet. In dem Zusammenhang wird aber auch auf die Wichtigkeit hingewiesen, die Möglichkeit natürlicher Lüftung stets zu gewährleisten – besonders wichtig für Kitas! Das ist ein ebenso wichtiger Gesundheitsaspekt!
Mit dem zunehmenden Klimawandel wird es in unsere Region immer mehr heiße Tage im Jahr geben. Die Träger der Kitas also die Stadt oder die anderen Träger sind verantwortlich, für die Erfüllung dieser Anforderungen zu sorgen und Fachkräfte sollten bei extremen Temperaturen ebenfalls aktiv werden.
Es braucht also die individuelle Betrachtung des jeweiligen Gebäudes wie mit sommerlichem Hitzeschutz an diesen heißen Tagen die Temperatur in den Einrichtungen unter 30 Grad gehalten werden kann und wo technisch und organisatorisch nachgesteuert werden könnte – auch organisatorisch durch die Nutzer. Ich betone in dem Zusammenhang auch, dass wir uns hier mehr Kommunikation, Schulung und Konzepte für die Einrichtungen wünschen, denn nicht nur die Temperatur muss im Blick sein. Nur so sind optimierte Lösungen zu finden.
Wir werden also nach der Bestandsaufnahme – und wir hoffen die erwähnten Temperaturmessungen sind bereits im Rathaus vorhanden – keine generellen, sondern individuelle Maßnahmen für die jeweilige Einrichtung und die jeweiligen Nutzer beraten.
Vielleicht abschließend noch eine Bemerkung zu Neubauten: Bei Neubauten ist intensiver Hitzeschutz bereits Teil jeder Planung. Eine generelle Klimatisierung von Neubauten öffentlicher Gebäude lehnen wir ab, da es nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht notwendig ist. In Planung für unser neues Pflegeheim am Astoria-Kreisel ist sehr auf den Hitzeschutz eingegangen worden – und mit Verlaub, hier arbeitet unser Stadtbauamt vorbildlich – und wer Klimaanlagen aus Hotels kennt, weiß, dass es auch negative Effekte auf die Gesundheit hat und wir solche Konzepte nutzen sollten, die möglichst natürlich und mit einer angepassten Bauweise Innenraumtemperaturen bis max. 28-29° C gewährleisten.
Ich freue mich auf die intensiven Diskussionen und die Einzelfallbetrachtungen im TUPV, in den wir diesen Antrag jetzt verweisen.
Dr. Andrea Schröder-Ritzrau