SPD-Fraktion: Hitzeschutzanpassungen notwendig

Veröffentlicht am 02.03.2026 in Gemeinderatsfraktion

Hitze kann krank machen. Hier im Südwesten Deutschlands trifft uns der Klimawandel ganz besonders mit Hitze. Statistisch gab es vor 40 Jahren nur 4 Tage im Jahr mit Temperaturen über 30°C (sogenannte Hitzetage). Mittlerweile sind es 14 Hitzetage, 2 Wochen im Jahr.  In 40 Jahren könnten es 2 Monate sein mit Temperaturen über 30°C in Walldorf, wenn wir weiter so CO2 emittieren.

Die Variabilität in Baden-Württemberg ist hoch. Vor 20 Jahren, also 2005, hatten wir sogar 27 Hitzetage in der Region. Es war das erste Jahr meiner Tochter am Schulzentrum. Damals veranlasste der Elternbeirat Temperaturmessungen in den Klassenzimmern, was damals noch nicht automatisiert war. 2022 waren es 22 solcher Tage, aber 2021 auch nur 6 davon. Hitze betrifft uns, ist aber auch von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich.

Das Problem liegt auf der Hand. In Schulen, Kitas und Pflegeheimen muss die Stadt handeln. Auch als Arbeitgeber muss sie handeln, denn der Arbeitsschutz gibt klare Grenzwerte: Ab 26°C sollen Maßnahmen zum Schutz vor Hitze ergriffen werden.

Sonnenschutzvorrichtungen des jeweiligen Gebäudes müssen genutzt werden - trivial ist das nicht - wie wir auch in der Vorlage und den Protokollen der Gespräche mit den Einrichtungsleitern lesen können. Ab 30°C heißt es im Gesetz müssen Maßnahmen zum Schutz vor Hitze ergriffen werden und ab 35°C ist der Raum nicht als Arbeits- und Aufenthaltsraum geeignet.

Die SPD-Fraktion befürwortet alle Maßnahmen, die die Raumtemperaturen an Hitzetagen in unseren öffentlichen Gebäuden erträglich machen. Das gilt insbesondere für unsere Betreuungseinrichtungen und Schulen. Es gilt auch im Rathaus. Wir sehen da die Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Kinder, der Mitarbeitenden und der zu Pflegenden. Dazu gehört es, organisatorische Maßnahmen in Absprache mit den Einrichtungen weiterhin umzusetzen, zu intensivieren und stetig anzupassen. Dazu gehört die Anpassung der Tagesstruktur und die nachhaltige Nachtauskühlung zur intensiven Lüftung in den kühlen Morgenstunden von 4 Uhr bis 6 Uhr. Wenn das aus Sicherheitsgründen nicht automatisch gemacht wird, muss es manuell erfolgen. Personal, dass sich bereiterklärt diesen Schichtdienst zu machen, soll dafür außerordentliche Zulagen bekommen.

Das kann alles diesen Sommer schon passieren und ist ja größtenteils schon in der Routine. Monitoring, die Erfassung des Problems und zwar langfristig gemessen und damit belastbar in der Aussagefähigkeit, ist noch nicht Routine. Wir werden alle Gebäude raumscharf auf ihre Hitzelast untersuchen und Räumlichkeiten mit sehr hoher Wärmebelastung identifizieren, um dann technische Lösungen zur Raumluftkühlung aufzuzeigen und eine Prioritätenliste für diese Gebäude mit baulichen und technischen Hitzeschutzmaßnahmen abzuarbeiten.

Für viele Gebäude sind Daten vorhanden, weil sie jung oder nachgerüstet sind. Es gehört mittlerweile zur Routine eine derartige Mess- und Regeltechnik in Gebäuden zu haben. Gebäude, deren Planung oder Bau 20 Jahre und älter sind, haben das nicht (z.B. KiTa Astorhaus, Kinderhaus Schulstraße, Kommunaler Kindergarten, Haus der Kinder, Waldkindergarten Zipfelmützen, Krippen Rockenauerpfad und Neue Soziale Mitte, Pflegezentrum Astorstift). Die Verwaltung, bzw. das Bauamt macht gute Vorschläge ein digital auslesbares Messnetzwerk nachzurüsten.

Gebäude, die diesen zunehmend extremen klimatischen Anforderungen gerecht werden, erfordern ein integrales Konzept, das bauliche Maßnahmen, nachhaltige Materialen und eine gezielte Begrünung kombiniert, um Innenräume auch bei hohen Außentemperaturen kühler zu halten (z.B. unser Pflegeheimneubau, der flache Geothermie auch zum Kühlen nutzen wird).

Der Fokus liegt auf präventivem Hitzeschutz, da Klimaanlagen nicht wirklich geeignet sind für Kleinkinder und hoch alte Menschen. Er liegt auf effektiver Verschattung, außenstehende Vordächer, Jalousien, und Sonnensegel. Hohe Speichermasse (Beton/Ziegel) hilft die Wärme tagsüber zu speichern und nachts abzugeben. Bauliche Ausrichtung in Kitas ist so zu gestalten, dass Schlafräume nicht nach Süden oder Westen ausgerichtet sind.

Kompakt – wir brauchen:

  • Messungen zur Hitzebelastung in Betreuungseinrichtungen
  • Optimierung von organisatorischen Maßnahmen für Hitzeschutz
  • Gehaltszuschläge für die manuelle Nachabkühlung
  • Umsetzung notwendiger bauliche Maßnahmen
  • engmaschige Information zum Stand der Dinge

 

Dr. Andrea Schröder-Ritzrau