Dr. Andrea Schröder-Ritzrau
Die SPD-Fraktion hat der Fortführung der verschiedenen, freiwilligen sozialen Angebote der Stadt Walldorf zugestimmt. Mit diesen Beratung- und Hilfsangeboten, die wir seit vielen Jahren immer einstimmig verabschiedeten, machen wir Menschen unterschiedlichen Alters in ihren individuellen Lebenslagen Unterstützung- und Beratungsangebote. Dies hilft Notlagen zu verhindern oder zumindest abzumildern.
Natürlich entstehen dabei Kosten – 680.000 € insgesamt. Eine Summe, die sich erstmal viel anhört, die ich aber in Relation zum Haushalt der Stadt bringe. Allein 2024 haben die Betreiber von Glücksspiel in Walldorf mit 740.000 € schon mehr an Vergnügungssteuer an die Stadt gezahlt, als für soziale Projekte ausgegeben wird. Das Glücksspiel läuft weiter, denn die Einnahmen sind trotz Steuern sehr lukrativ für die Betreiber. Auch sind die besagten 680.000 € für soziale Angebote mit 0.26% ein verschwindend geringer Teil unserer Steuerkraftsumme insgesamt.
Aber es ist gut angelegtes Geld. Diese Angebote sind für jeden Einzelnen und jede Einzelne unermesslich wichtig, wenn er oder sie genau das Angebot, die Unterstützung erhält, was die jeweilige Lebenslage erfordert. Für dieses Geld wird hier in Walldorf viel Gutes getan, Prävention gefördert und unsere Schulgemeinschaften gestärkt, denn der größte Posten ist die Schulsozialarbeit mit 450.000 € – also 3/4 des Gesamtbetrags. Die Schulsozialarbeit ist seit 2 Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken aus unserer Schullandschaft in Walldorf. Leider muss man auch in diesem Jahr an die Landesregierung appellieren und bitten, ihrer Zusage nachzukommen, die Schulsozialarbeit zu einem vollen Drittel der Kosten zu fördern. Der Kreis tut es. Insgesamt bleiben von den 450.000 € 216.000 € als Kosten bei der Stadt. Und damit reden wir also ehrlicherweise nicht über 680.000 € für soziale Angebote, sondern über 464.000 €, die die Stadt aufbringt.
Die Angebote der psychologischen Beratung helfen Familien niederschwellig bei Erziehungsfragen und vermitteln weiter, sind für unsere Kitas und Schulen da. Das ist der SPD-Fraktion wichtig. Eine Erweiterung des Angebots war gefordert, aber das konnten wir leider nicht mehr in dieser Sitzung beraten, da es zu Beginn einen Geschäftsordnungs-Antrag gab, den Punkt zu verschieben. Nur die SPD war gegen die Vertagung. Für uns war und ist es entscheidungsreif um 26.000 € aufzustocken. Wir werden gleich im neuen Jahr die Verwaltung auffordern den Punkt endlich zu beraten.
Menschen, die sich verschulden werden immer jünger, so der Bericht der Schuldnerberatung. Sie
hilft bei Ver- und Überschuldung. Wir sind froh, dass das Angebot nun so umfänglich ist, dass
keine langen Wartezeiten entstehen.
Einen Punkt möchte ich noch herausstellen: Die Anzahl von Frauen insbesondere auch mit Kindern, die aus einer gewalttätigen Beziehung fliehen müssen, wird stetig größer. Diese ist sicher den vielen Krisen geschuldet, die unsere Gesellschaft schütteln und die sich auf Frauen und Familien besonders auswirken. Ein großes Problem ist der starke Wohnungsmangel in der Region, der die Aufenthaltsdauer im Frauenhaus verlängert und damit wiederum den Mangel in Frauenhausplätzen verschärft. Ein selbstverstärkender Prozess, der sich an den Zahlen der Frauen und Kinder darstellen lässt, die nicht ins Frauenhaus aufgenommen werden konnten. So mussten 222 Frauen und 191 Kinder wegen fehlender Plätze 2023 abgewiesen werden. Die Zahl der Plätze im Rhein-Neckar-Kreis ist absolut unzureichend und macht eine Flucht aus dem gewalttätigen Umfeld häufig unmöglich. Mit den entsprechenden physischen und psychischen Folgen für die Frauen und die Kinder.
Die SPD-Fraktion stimmte der Fortführung aller Angebote zu und dankt an dieser Stelle dem Fachbereich Soziales mit Herrn Schirmacher und allen Mitarbeitenden für ihren Einsatz, die Koordination und Vernetzung der Angebote.
Ein großes Dankeschön gilt allen Organisationen und Vereinen sowie den Mitarbeitenden, die diese Angebote hier in Walldorf gewährleisten. Sie alle tragen dazu bei, dass es in unserer Stadtgesellschaft sozial zugeht.
Und wer sich für Detailfragen zu den Lebenslagen der Menschen in unserem Ort interessiert, ist herzlich eingeladen den öffentlich auf der Homepage zugänglichen Bericht zur sozialen Entwicklung in Walldorf zu lesen.
Dr. Andrea Schröder-Ritzrau