Dr. Andrea Schröder-Ritzrau, Fraktionsvorsitzende
„Der Antrag der CDU-Fraktion gibt die Einwendungen und Diskussionen aus dem Technischen Ausschuss aus den letzten Jahren wieder und wir sind gerne bereit, die Diskussion geordnet und strukturiert zeitnah weiterzuführen. Dann können wir die Richtlinien so anpassen, dass jeweils die beste Variante gewählt werden kann, um das Ziel klimaneutrales Bauen zu erreichen“ begründete Dr. Andrea Schröder-Ritzrau ihre Zustimmung für die SPD-Fraktion. Bisher lässt die Richtlinie städtischen Bauvorhaben nur in Passivhaus-Bauweise und die Vergabe städtischer Baugrundstücke nur an Menschen zu, die ein Passivhaus bauen.
Passivhaus ist nur ein Weg möglichst klimaschonend zu bauen. Es ist aber nicht mehr der ausschließliche Königsweg. Viele Faktoren sind abzuwägen bei Planung und Erstellung eines Gebäudes. Wie sind die individuellen Bedarfe und Nutzungen? Handelt es sich um Wohn- oder Nichtwohngebäude? Gibt es Synergie mit dem Umfeld z. B. durch Nutzung erneuerbarer Energien? Es kann daher sinnvoller sein Plus-Energie-Häuser zu planen oder sich mit KfW 40 zufrieden zu geben. Es gibt Beispiele, wo Passivhaus bereits durch die Lage des Baufensters suboptimal ist. Zumal auch die stetige Weiterentwicklung von Baustoffen und deren Wiederverwertung Flexibilität und nicht statische Passivhausbauweise braucht.
Ein wichtiger Punkt ist für uns das Monitoring der Energieverbräuche aller städtischen Liegenschaften, das die SPD-Fraktion vor über 14 Jahren beantragt hat. Ohne dies wüsste niemand, was es eigentlich bringt – so oder so zu planen, zu bauen oder zu sanieren, geschweige denn, wo wir stehen in Bezug auf Energieverbrauch und Klimaneutralität.
Uns ist der ganzheitliche Ansatz wichtig. Der Ressourcen-Verbrauch einer Baumaßnahme und die potenzielle Wiederverwendung von Material über die Lebensdauer des eigentlichen Hauses hinaus muss mit in die Berechnung der Klimaauswirkung.
SPD-Fraktion lobt Energiebericht
Dr. Schröder-Ritzrau bedankte sich in ihrer Stellungnahme bei Herrn Rothweiler und Team, sowie Stadtbaumeister Herrn Tisch für den Energiebericht der städtischen Liegenschaften, der die Entwicklung der letzten 10 Jahre zeigt sowie die energietechnische Optimierung.
Seit 2021 sind die Kommunen nach dem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz in der Pflicht dem Land Baden-Württemberg ihre Energieverbräuche für kommunalen Liegenschaften zu melden. Die KEA hat diese landesweiten Daten von 2021 zusammengestellt und den durchschnittlichen Wärmeverbrauch pro qm ermittelt. Erschreckende durchschnittliche Werte von 124 kWh/qm für Verwaltungsgebäude und 134 kWh/qm bei Kitas kommen dabei raus. In der Analyse ist ebenfalls festgehalten, dass im Südwesten nur wenige Kommunen bzw. Gebäude dem Zielwert von nur 50 kWh/qm entsprechen.
Die SPD-Fraktion zeigt sich mit der Bilanz hier in Walldorf jedoch zufrieden, denn das Baden-Württemberg-Ziel ist bereits erreicht für die kommunalen Liegenschaften. Alle genutzte Flächen – 100.000 qm – haben im Durchschnitt einen Wärmeverbrauch von 51 kWh/qm. Richtig gut finden wir das, aber schlendern lassen werden wir es nicht. Unser professionelles Energiemanagement ist nämlich der Schlüssel zum Klimaschutz, denn nur wenn wir ins Detail gehen, messen und analysieren, können wir Schwachstellen identifizieren, den Hebel jeder Maßnahme, ob Heizungstausch oder Dämmung direkt über die Verbräuche messen und bekommen außerdem so eine Handlungsanweisung, wo noch nachgesteuert werden sollten.
Das Astorhaus, der Tierpark und die Waldschule haben beim Thema Wärme noch Handlungsbedarf. Allerdings hat die Waldschule vor 10 Jahren noch 200 kWh/qm verbraucht – heute sind es nur noch 84 kWh/qm. Der Weg ist das Ziel, nutzt dem Klimaschutz und macht uns im Benchmark mit anderen noch erfolgreicher.
Wer die Debatte dazu im Kreis verfolgt hat, musste sich schon wundern. 50 kWh/qm ist wenig Energie – aber wahrlich kein Goldstandard, wie es in Stellungnahmen anklang. Als Kreisrätin für
Walldorf bin ich gespannt, wie es da weiter geht. An den Kreisimmobilien ist einiges zu tun um das Ziel von 50 kWh/qm zu erreichen.
Walldorf geht heute für die städtischen Liegenschaften durchs Baden-Württemberg-Ziel. Die SPD-Fraktion bekräftigt, dass wir den Weg weitergehen, für unsere Kinder.
Seit 2013 haben wir 48% Fläche zugewonnen, den Stromverbrauch um 32% und den Wärmeverbrauch um 22% reduziert.