
Für die Wahlnachlese mit interessierten Mitgliedern hatte die Ortsvereinsvorsitzende Andrea Schröder-Ritzrau sowohl die Daten aus dem Rhein-Neckar-Kreis als auch die Walldorfer Ergebnisse detailliert aufbereitet. Wenn auch das Mandat von Lars Castellucci gehalten werden konnte und die Walldorfer ihm mit 23,4% bei den Erststimmen einen persönlichen Vertrauensbeweis lieferten, sind wir insgesamt entsetzt über das Abschneiden unserer SPD, so Schröder-Ritzrau. Wir sind weiterhin vor Ort sowohl im Stadtrat als auch im Ortsverein mit sozialdemokratischer Politik für die Menschen im Ort da. Wir sind ansprechbar. Das im Bundesvergleich bessere Ergebnis vor Ort tröstet nicht hinweg über die gesamte Situation. Statt der bisher vier Abgeordneten hat der Wahlkreis nur noch zwei: mit Lars Castellucci einen Sozialdemokraten und einen MdB der Afd.
Die Anwesenden diskutierten intensiv; so auch die doch recht unterschiedlichen Ergebnisse auch der anderen Parteien in den verschiedenen Wahlbezirken vor Ort und potentielle Gründe dafür. Insgesamt war man sich einig, dass sowohl die Kommunikation der SPD-Spitzen als auch die Verankerung der SPD in der Bevölkerung wieder besser werden muss. Auch ein neues Grundsatzprogramm wurde gefordert. Natürlich wurde auch die Verpflichtung für das Land und die Menschen angesprochen in Bezug auf eine mögliche Koalition. Man wird die weiteren Entscheidungen eng begleiten, so die Walldorfer Sozialdemokraten.
Lars Castellucci hat einen Gastbeitrag im Vorwärts veröffentlicht, der ebenfalls diskutiert wurde. Ich möchte eine Partei, die nicht nur für die Menschen kämpft, sondern mit ihnen, heißt es in dem Beitrag. Seit langem erodiere der Glaube an die Problemlösungskompetenz der Parteien. Auf die Frage „Wem trauen Sie zu, die Probleme Deutschlands am besten in den Griff zu bekommen“ antworte fast eine absolute Mehrheit stetig mit: niemandem. Der Vertrauensverlust sei verfestigt und massiv. Ganz offensichtlich müsse sich die Art Politik zu machen und zu vermitteln ziemlich radikal verändern. „Wir hängen Menschen ab. Menschen hängen sich ab. Seit Jahren.“
Die Menschen bekommen keine Antworten auf ihre Fragen. Selbst auf Fragen, die dauernd gestellt wurden. Sicher sei über Migration viel gesprochen worden. Aber ist irgendjemand schlauer nach all den Diskussionen? Die Diskutant*innen zielen darauf, einen Punkt zu gewinnen, statt etwas zu erklären. Und die Zuschauer*innen hören in ihrer Not lieber das heraus, was sie ohnehin schon denken und fühlen. Kurz bevor etwas klarer werden könne, gehe es zum nächsten Thema, so scheint es die Aufgabenstellung für die Moderation zu sein.
Ergebnis: Viele schalten schon gar nicht mehr ein – auch weil sie all das Negative nicht ertragen. Die Lösung dafür ist nicht einfach das Positive – nach dem Motto für jeden Attentäter ein gut integrierter Arzt – sondern konstruktiver, lösungsorientierter Journalismus, oder allgemeiner: Kommunikation, die den Menschen etwas zutraut und Wege aufzeigt. Nicht zuletzt solche, die sie selbst beschreiten können, um an den Lösungen mitzuwirken.