Welt retten für Einsteiger

Veröffentlicht am 16.04.2008 in Veranstaltungen

Kann so die Welt gerettet werden?

Zum richtigen Vortrag war eigentlich das falsche Publikum gekommen, nämlich eines, dem Nachhaltigkeit kein Fremdwort ist und das schon lange die Umwelt bei seinem täglichen Handeln im Auge hat. Aber auch dieses konnte noch viele wertvolle Hinweise mitnehmen.

Die SPD Walldorf hatte zu einem Vortrags- und Diskussionsabend den Buchautor Dr. Christian Berg, Hochschuldozent an der Technischen Hochschule Clausthal und Produktmanager bei der SAP, und den Bundestagsabgeordneten Prof. Gert Weisskirchen eingeladen.

Dr. Berg hat in seinem Buch „Welt retten für Einsteiger“ 30 Gründe für ein gutes Gewissen zusammengestellt, einige davon trug er exemplarisch vor. Mit ihnen wollte er deutlich machen, dass jeder etwas zur Rettung der Welt beitragen kann. Er forderte dazu auf, nicht auf „die da oben“ zu hoffen. Wenn es gelänge, viele dazu zu bewegen, viele kleine Schritte zu machen, sei schon eine Menge erreicht. Dabei bedeute nachhaltiges Leben keineswegs Askese.

Ist etwa vorausschauendes Autofahren Askese? Es bringt im Gegenteil nur Vorteile: Unnötiges Bremsen wird vermieden, Sprit wird gespart. Und wenn man für Strecken bis drei Kilometer das Fahrrad nimmt, tut man etwas für die eigene Gesundheit und schont seinen Motor, der Kaltstarts nicht liebt und dessen Katalysator erst dann seinen Zweck erfüllt, wenn er warm ist.

Braucht man eine Pfeffermühle mit elektrischem Antrieb? Die ist nicht sonderlich stilvoll, braucht aber eine Batterie, die irgendwann entsorgt werden muss. Die Hälfte aller Batterien wird aber nicht sachgemäß entsorgt, ihr giftiger Inhalt landet irgendwo und bildet eine große Gefahr für das Trinkwasser. Also: Nachdenken, ob man wirklich einen elektrischen Antrieb braucht oder ob es nicht auch eine mechanische Lösung gibt. Besser als eine Wegwerfbatterie ist im Notfall ein wiederaufladbarer Akku.

So gingen die Beispiele weiter, über die Empfehlung, weniger Fleisch zu essen, weil die Rinderzucht pro Tier und Tag 300 Liter des Treibhausgases Methan freisetzt bis zum Achten darauf, ob gekaufte Produkte durch Kinderarbeit entstanden sind. Es fehlte auch nicht die Warnung vor dem Rebound-Effekt. Der besagt, dass Einsparungen, die z.B. durch effizientere Technologien entstehen, durch vermehrte Nutzung und Konsum oft überkompensiert werden. Gefragt ist also letztlich eine neue Form der Bedürfnisbefriedigung, Genügsamkeit.

Prof. Weisskirchen ergänzte den Vortrag von Dr. Berg mit seiner politischen Sicht auf die angesprochenen Fragen. Er forderte insbesondere, dass die wichtigsten öffentlichen Güter Trinkwasser, Bildung, Energieressourcen und Verkehr jedem Menschen zugänglich sein müssten. Dazu seien Bündnisse zwischen Politik, Ökonomie und der Gesellschaft nötig.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Anwesenden ein waches Bewusstsein für die Frage der Nachhaltigkeit haben. Sie nahmen auch die einleitenden Aussagen des Moderators der Veranstaltung, Dr. Will Ritzrau vom Vorstand der Walldorfer SPD, auf, dass sein Arbeitgeber sich sehr für die Nachhaltigkeit engagiere. Allerdings überwog der Zweifel an der Ernsthaftigkeit solcher Bemühungen großer Konzerne. Was hier letztlich nur hilft, ist der Appell an den Eigennutz, sowohl bei der Ökonomie als auch bei jedem Einzelnen. Das war auch die Botschaft des Schlusswortes von Dr. Berg.

Von einem Büchertisch der Buchhandlung Föll (verkauf@buchhandlung-foell.de) nahmen viele Teilnehmer die 30 Gründe für ein gutes Gewissen schwarz auf weiß mit nachhause.

Dieter Lattermann